Runder Tisch der IHK Heilbronn-Franken bietet kostenfreie Krisenhilfe – Frühzeitig Kontakt aufnehmen

Pressemitteilung von: Industrie- und Handelskammer Heilbronn-Franken (IHK)
Kurt Hanselmann setzt auf Lederbekleidung und den Runden Tisch
Kurt Hanselmann setzt auf Lederbekleidung und den Runden Tisch
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(openPR) – 1998 hat die IHK Heilbronn-Franken gemeinsam mit der Handwerkskammer den „Runden Tisch“ eingeführt“. Ziel des kostenlosen Krisenmanagements ist es, Unternehmen in einer finanziellen Schieflage schnell und unbürokratisch zu helfen. Inzwischen haben in der Region über 175 kriselnden Betrieben erfolgreich teilgenommen. Einer von ihnen- die Gino Ginero Ledermoden GmbH aus Crailsheim.

Was mache ich bloß falsch? Kurt Hanselmann saß vor zwei Jahren ratlos am Schreibtisch, studierte mit seinem Finanzchef die Bilanzen: Alles picobello, die Eigenkapitalquote vielleicht etwas niedrig, die Stückzahlen seines Großhandels für Lederbekleidung sinkend – aber keine roten Zahlen.

”Uns gehen die Kunden aus“, wusste der geschäftsführende Gesellschafter der Gino Ginero Ledermoden GmbH schon damals. ”Wegen Geschäftsaufgabe müssen wir Ihnen leider mitteilen …“so fangen viele Briefe nach Crailsheim an. Laufend kündigt ein Leder-Fachgeschäft nach dem nächsten seine Lieferverträge mit Gino Ginero. Also – was tun?

Was inzwischen hinzukommt: Angesichts hoher Preise sparen viele Verbraucher, vor allem bei Kleidung. Textil-Einzelhändler haben deshalb bundesweit Umsatznot; im ersten Halbjahr 2008 brachen ihre Verkaufszahlen um vier bis fünf Prozent ein. Folgen daraus spürt der Crailsheimer Großhändler hautnah. ”Noch ein Jahr mit so einem Umsatzeinbruch können auch wir uns nicht leisten“, meint Hanselmann. ”Ich frage mich, ob unsere Existenz noch berechtigt ist.“

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Jüngere Strategie verordnet
Früher als mancher andere Unternehmer bat er die IHK Heilbronn-Franken um Hilfe. Finanziell von der KfW Mittelstandsbank getragen, durchleuchtete daraufhin ein Berater das Unternehmen. Heraus kamen Strategien und ein neues Marketing für die Zukunft. ”Der Runde Tisch brachte uns dazu, endlich neue Marktsegmente zu erschließen“, schildert Hanselmann. ”Wir sind modischer geworden, haben zwei neue Damenlederkollektionen entwickelt, eine für die moderne Frau mittleren Alters, sowie eine preiswerte Young Fashion Kollektion für junge Mädchen.“

Das brachte auch den sieben Mitarbeitern, die seit zwei Jahren immerhin auf ein Fünftel ihres Gehalts verzichten und einen Tag kürzer pro Woche arbeiten, wieder Hoffnung. Ein Problem ist zurzeit noch, für die neuen Kollektionen einen schlagkräftigen Vertrieb aufzubauen. Hanselmann: ”Es ist extrem schwierig, beim Fachhandel gut eingeführte Handelsvertreter zu bekommen.“ Ob ”Gino Ginero“ als günstige Marke neben Boss und Armani trumpfen kann, bleibt also fraglich.

Aufbau neuer Vertriebswege
Miese Konsumlaune in Deutschland kann die am Runden Tisch gefundene Neuausrichtung nicht aufhellen. Fabrikverkauf und das Internet sind aber zwei von etlichen Möglichkeiten, die Zukunft zu meistern. ”Ich bin jetzt beruhigt, dass wir zumindest betriebswirtschaftlich in Ordnung sind“, sagt Hanselmann im Rückblick. ”Inzwischen stehen die Überlebenschancen für das Unternehmen 50 zu 50“, meint Berater Sven Denninger.

Wieder Überlebenschancen
”Viele Unternehmer verschlafen den Wandel“, fügt Denninger hinzu, ”sie greifen erst fünf vor zwölf zur Beratung, wenn aus Strategieproblemen längst Liquiditätsengpässe geworden sind.“ Gino Ginero sei ein Glücksfall. Wenn Kredite gekündigt werden, sei es meist schon zu spät. Nach Zahlen der Wirtschaftsauskunftei Creditreform ist die Pleitegefahr im Textilhandel zurzeit höher als in der gesamten Wirtschaft. Experten rechnen mit einem schwierigen Jahr für den Modehandel. Marktbereinigungen seien absehbar.

Vorbilder dafür, wie man am besten wirtschaftet, sind auf klare Zielgruppen ausgerichtete Label-Anbieter wie Esprit oder Zara, die meist auch exklusiv produzieren lassen. Sie bringen bis zu 13 Kollektionen pro Jahr heraus und locken Kunden in immer kürzeren Abständen zum Einkauf in ihre Marken-Stores. Wird Gino Ginero imstande sein, sich gegen solche Konkurrenz zu behaupten?

”Ich kann jedem Unternehmer in ähnlicher Lage nur empfehlen, einen Runden Tisch zu beantragen“, meint Hanselmann, ”ich weiß nun, wo ich stehe, und dass wir auf dem richtigen Weg sind.“

So funktioniert der Runde Tisch
Ein Anruf genügt: Im Vorfeld prüft die Kammer dann anhand eingereichter Unterlagen, ob das betroffene Unternehmen in einer Krise steckt, die gelöst werden kann. Sie schlägt dem Betrieb dann mehrere Unternehmensberater vor. Das Unternehmen wählt diesen „Paten“ selbst aus, muss ihm nur Fahrkosten bezahlen. Ein vom Berater erstelltes Fortführungskonzept bildet die Grundlage für das Gespräch am Runden Tisch, welche von der zuständigen Kammer moderiert wird.

Kontakt
Thomas Leykauf, IHK-Berater Wirtschaftsförderung
Telefon 07131 9677-174
E-Mail
www.heilbronn.ihk.de/krisenmanagement

Industrie- und Handelskammer Heilbronn-Franken (IHK)
Ferdinand-Braun-Straße 20
74074 Heilbronn
Achim Ühlin
Leitung Public Relations
Tel: 07131 9677-106
Fax: 07131 9677-117

www.heilbronn.ihk.de

Die IHK Heilbronn-Franken vertritt die Interessen der gewerblichen Wirtschaft der Region Heilbronn-Franken. Als Partner der Wirtschaft ist sie Schnittstelle zwischen Unternehmen und Staat. Sie ist Sprachrohr und Dienstleister ihrer rund 46.000 Mitgliedsunternehmen.

Zudem wurden ihr als Selbstverwaltung der Wirtschaft viele staatliche Aufgaben übertragen, die die IHK – auch dank der ehrenamtlichen Mitarbeit von rund 2.100 Unternehmensvertretern – praxisnah und preiswert erledigt. Darüber hinaus ist es ein Anliegen der IHK, die Wettbewerbsfähigkeit der Region auch künftig zu sichern und zu stärken.

Veröffentlicht von: Belzebub

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